Das Gewerbegebiet in Buchschwabach schafft es seit seiner Ausweisung in den 1990er Jahren immer wieder zu Schlagzeilen. Bisher fand die Entwicklung des Gewerbegebietes in kleinteiligen Schritten statt. Dies war bisher langwierig und sehr teuer für den Markt Roßtal. Im Januar 2019 informierte Bürgermeister Johann Völkl über Pläne zur Erweiterung durch einen Generalplaner. Nach einem Bürgerentscheid ging es kinoreif vorwärts. Hier finden Sie die Chronik
Bereits vor dem Jahreswechsel platzte Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied der Kragen. Und er prophezeite dem Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (GRÜNE) in Kürze Proteste in bisher nicht dagewesenem Ausmaß. Auslöser war die spontane Streichung der Steuerrückvergütung von Kraftstoff für landwirtschaftlich genutzte Fahrzeuge. Sowie die Streichung von Vergünstigungen bei der KFZ-Steuer. Und in der Tat kam es am 08. Januar 2024 bundesweit zu unzähligen Protesten mit tausenden von Fahrzeugen. Bereits am Sonntag zuvor hing an den Ortsschildern an der B14 von Buchschwabch je ein Stiefel. Eines der vielen Symbole der Proteste.
Übersetzung: Herr Fritz meint zur dataform: *“Über einen Verbleib des Unternehmens dataform im Landkreis Fürth würde ich mich sehr freuen.“
Nachgefragt: Im August 2019 gab es ein Interview zwischen der Redaktion und Bügermeister Alexander Fritz aus Ammerndorf zum Thema dataform. In Ammerndorf war bis 2019 der Hauptsitz der Firma dataform. Nach einem bürgerlichen Krimi im Markt Roßtal zog das Unternehmen schließlich nach Buchschwabach. In einem Telefonat am 02. Juli 2019 durfte ich Herrn Bürgermeister Fritz aus Ammerndorf ein paar Fragen zum Thema stellen.
Im Jahr 1998 zeigte die Firma Nichia großes Interesse an einem Grundstück in Buchschwabach. Nichia ist ein Unternehmen aus Japan und hatte seit 1993 eine deutsche Zweigstelle in Nürnberg. In Buchschwabach sollten in großem Umfang Leuchtstoffe recycelt werden. Allerdings scheiterte die Ansiedelung am Wiederstand der Bevölkerung. Dort bereitete der enorme Wasserverbrauch für den Industrieprozess große Sorgen. Ebenso wurden Einträge durch ausgewaschene Giftstoffe über das Abwasser in die Umwelt befürchtet.
Nichia wurde 1956 in Japan gegründet. In den 1990er Jahren war das Unternehmen führend in der Produktion von Leuchtstofflampen. Später debütierte Nichia als erstes Unternehmen mit der Produktion von blauen und weißen LEDs. Ein Potenter Investor als Chance für Roßtal und Buchschwabach?
Chance für Buchschwabach und Roßtal?
Nachdem die Pläne zur Ansiedelung von Nichia in Buchschwabach bekannt wurden, regte sich Widerstand. Die Bitte der Bürgerinnen und Bürger war, das Genehmigungsverfahren nicht nach dem Baurecht, sondern nach dem Bundesimmissionsschutzrecht durchzuführen. In der Planung teilte das Unternehmen Nichia einen täglichen Wasserbedarf von ca. 330.000 Litern mit. Zugleich wären jeden Tag ca. 280.000 Liter vorgeklärtes Abwasser angefallen. Laut Zeitzeugen hätte dies die Gewässer des Ortes mit damals knapp 700 Einwohnern komplett überfordert. Speziell für den Schwalbach sah man Gefahr. Zudem brachten Bürger von Buchschwabach in Erfahrung, dass beim Recycling der Leuchtstoffe unter anderem Chrom VI-Verbindungen und Kobalt ausgewaschen worden wäre. Der Bürgerprotest zog im Sommer 1998 bis vor das Rathaus in Roßtal. Dort stieß der Widerstand auf wenig Gegenliebe. Denn von Nichia wurden Investitionen über 30 Millionen D-Mark sowie 30 Arbeitsplätze erwartet. Ebenso hätten aus dem Verkauf von Gemeindewasser an das Unternehmen hohe Einnahmen entstehen können. Aus rein wirtschaflticher Sicht des damaligen Bürgermeisters eine große Chance für Buchschwabach und Roßtal.
Genehmigung und Eskalation
Am 16.06.1998 berichteten die Fürther Nachrichten von der Genehmigung durch das Landratsamt. Die extra gegründete Bürgerinitiative „Gewerbegebiet Alter Flugplatz“ lief mit knapp 100 Mitgliedern nun Sturm gegen das Vorhaben. Laut dem damaligem Geschäftsführer von Nichia Europe, Herrn Michael Feicht, sollten verunreinigte Leuchtstoffe, die bei der Herstellung von Farbbildröhren dort nicht haften geblieben sind, als Schlamm in Eimern nach Buchschwabach gebracht und dort reycelt werden. Aus seiner Sicht ginge von der Anlage keine Gefahr aus. Eine stundenlage Bürgerversammlung brachte keine Einigung. Wo heute unter anderem die Firmen Fahrzeug Altmann und Konferenztechnik Petri stehen, sollten damals für 10.000 Quadratmetern Recyclingbetrieb bald die Bagger rollen. Zugleich konnten viele Fragen zu Ausmaß der Schadstoffmengen sowie der Einleitung von vorgeklärten Abwässern nicht final geklärt werden. Sowohl der der Bach Schwalbach als auch der Ort Buchschwabach sind bei Starkregen hochwasserkritisch. Die Stimmung entlud sich immer wieder u.a. in Bürgertreffen im übervollen Gastraum vom Roten Roß.
Umzug nach Schwabach und Finale
Schließlich zog Nichia seine Pläne zurück. Am 12.01.1999 berichteten die Nürnberger Nachrichten, dass es für Nichia eine zweite Chance im zehn Kilometer entfernten Schwabach geben könnte. Der dortige Bürgermeister lobte aus, das Unternehmen mit offenen Armen zu empfangen. Auf 24.000 Quadratmetern sollten nun 40 Millionen DM investiert werden. Zugleich sollte der Sitz der deutschen Tochterfirma von Nürnberg ebenfalls nach Schwabach verlegt werden. Der Standort neben der Schwabacher Müllverbrennungsanlage schien optimal. Am 29.01.1999 kam es bei einer Bürgerversammlung in Schwabach zu lautsarkem Protest. Schließlich berichteten die Nürnberger Nachrichten am 02.02.1999, dass die Pläne in Schwabach nun ebenfalls aufgegeben wurden.
Die Jahre in Buchschwabach nach Nichia
Später entstand aus der „Bürgerinitiative Gewerbegebiet Alter Flugplatz“ der Bürgerverein Markt Roßtal, kurz BVMR. Es folgten in Deutschland einige wirtschaftlich schwierige Jahre. Und sowohl Wohn- als auch Gewerbegebiete entwickelten sich in Buchschwabach kaum weiter. Knapp zehn Jahre später entstand am gleichen Gelände eine Diskussion um ein mögliches Asphaltmischwerk im Gewerbegebiet Buchschwabach.